Achtung: dies ist eine längere Geschichte!
Leute, das glaubt mir jetzt keiner. Und wenn ich das selbst nicht erlebt hätte, ich hätte da auch meine
Schwierigkeiten. In der Überschrift habe ich „grün“ in Klammern geschrieben, weil es bei dieser Geschichte wirklich nicht auf die Farbe ankommt. Einfach nur auf den Anorak.
Hätte auch eine Hose sein können oder ein Paar Schuhe oder sonst was. Aber weil die Geschichte nicht erfunden ist, ist es die Geschichte vom grünen Anorak.
Wenn wir mit unseren Kindern zum Gardasee fuhren haben wir im Hotel „Alpenblick“ in Kalch/ Kalice am
Jauffenpass immer Rast gemacht und übernachtet.. Sie wissen schon – wenn Sie von Sterzing übern Pass nach Meran wollen. So auf halber Höhe in einer Kehre liegt der „Alpenblick“. Die Wirtsleute
sind wirklich nett. Die Tiroler Küche ist ausgezeichnet und das Frühstück ist richig Klasse. Die Zimmer haben eine sympathische Eigenheit: Sie gehen durchs Bad aufs Zimmer. Die Balkone
gehen talwärts und bieten einen schönen Ausblick. Abends kann man dort gemütlich seinen Rotwein genießen. Wegen der Temperatur kann manchmal einen Anorak
gebrauchen.
Ja, jetzt zum Anorak. Wir reisten wieder mal zurück und kamen nach Voranmeldung am Spätnachmittag im „Alpenblick“ an. Am nächsten Morgen,
nach einem ausgiebigen Frühstück, reisten wir dann ab. Und abends waren dann zu Hause.
Ein paar Tage später brauchte ich meinen Anorak. Nicht zu finden, trotz großer Suchaktion.
Ein Anruf im Alpenblick bestätigte meinen Verdacht: er hing dort an der Garderobe in der Wirtstube. Die Wirtsleute wussten aber nicht, wem dieser gehört. Aber jetzt war alles
klar. Man würde den Anorak aufheben, und wir könnten diesen dann im nächsten Jahr wieder mitnehmen. Ein überaus freundliches Angebot, dass ich aber unterschätzt hatte.
Im nächsten Jahr fuhren wir aber nicht nach Süden. Im übernächsten Jahr auch nicht. Danach auch nicht. Zehn Jahre später musste ich geschäftlich nach Tirol. Da dachte ich mir, es wäre doch ganz nett, mal wieder in Kalch zu übernachten und rief im „Alpenblick“ an. Ja, ein Zimmer wäre frei, nur jetzt im August würde man nicht heizen. Auf ca. 1600 m konnte da nachts schon mal etwas kühler werden. Aber es gibt dort ja richtig dicke Federbetten und ein gutes Essen. Also bucht ich für zwei Nächte.
Den Anorak hatte ich zwar nicht vergessen, aber um die Wirtsleute nicht in Verlegenheit zu bringen, habe ich natürlich nicht nachgefragt.
Während ich nun mein Schnitzel mit Beilage und einen hiesigen Roten genoss, hörte ich das Wirtsehepaar miteinander flüsterten: „das ist doch der mit dem Anorak.“ „ Ja“, mischte
ich mich ein, „derselbe bin ich, Gell, Sie haben ihn noch?“ „Ja freilich, den haben wir weggehängt“ „Das hätte ich ja nicht erwartet.“ Darauf holtedie Wirtin den Anorak. Wie
neu, war der noch sage ich Ihnen- wie 10 Jahre nicht getragen. Hatte ihn doch kaum getragen. Das Grün war auch wieder in. Also nahm ich, mich herzlich bedankend, den Anorak entgegen.
Vielleicht ein Jahr später gehe ich zu meinem Hausarzt. Ziehe den grünen Anorak an und häng ihn an die Gardarobe beim Arzt. Als ich dann
beim Arzt fertig war, wollte ich meinen Anorak wieder anziehen. Er war nicht am Platz. Er hing auch nicht an anderer Stelle. Wahrscheinlich hat ihn jemand aus Versehen mitgenommen. Oder geklaut.
Ist das nicht schrecklich?
Bis jetzt habe ich gehofft, dass das gute Stück sich wieder einfindet. Aber nix da. Nun habe ich mir einen neuen gekauft. Aber nicht in
grün.
Falls Sie mal jemand mit einem solchen Anorak treffen, dann fragen Sie doch mal nach. Allerdings so richtig grün war der
auch nicht. Ging auch ein wenig ins blaue. Türkis wäre richtiger. Also, bitte genau hinschauen. Vorne hat er übrigens einen Reißverschluss.
Eine Bitte an alle, die auf fremde Anoraks angewiesen sind: Schaut genau hin, ob es nicht ein Anorak mit einer Geschichte ist. Dann bitte
nicht mitnehmen!
delo